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Drascha zu Chanukka, Schabbat WaJeschew, Hamburg 8. Dezember 2023 von Rabbiner Edward van Voolen

Die Bedeutung des heutigen Festes Chanukka ist in diesem Jahr wichtiger denn je. Wenn wir im dunkelsten Monat des Jahres die Kerzen anzünden, erinnert es uns daran, dass selbst in den dunkelsten Momenten ein kleines Licht die große Dunkelheit vertreiben kann.

Im Angesicht von Krieg in Israel, in Gaza und in der Ukraine, ermutigt uns dieses Fest, Hoffnung und Widerstandskraft zu stärken, weil wir wissen, dass ein kleiner Lichtschimmer das Potenzial hat, die Dunkelheit zu überwinden. Ein kleiner Krug mit Öl reichte dafür, dass nach einem Befreiungskrieg, der Tempelleuchter nicht einen Tag, aber ganze acht Tage brennte. Das ist das Wunder von Chanukka, vor 2.200 Jahren, in Jerusalem, in Israel.

 

Richten wir unseren Blick auf das Israel von heute. Was ich bewundere, ist, dass die israelische Progressive Bewegung während der gesamten Chanukka-Woche verschiedene Sonderprojekte und -aktivitäten durchführt, die die Verbreitung von Licht und Hoffnung fördern.

 

Einige Bespiele:

-         Es werden Projekte für Menschen entwickelt, die selbst Geiseln waren oder deren Angehörige sich noch immer in den Händen der Terrororganisation Hamas befinden.

-         Progressive Juden in Israel unterstützen Familien, deren Kinder in der Armee dienen, und Menschen, die aus den Grenzgebieten evakuiert und in Hotels untergebracht worden sind.

-         Junge Führungskräfte des Mechina-Programms arbeiten mit Kindern aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen wie Wanderarbeitern, Flüchtlingen und arabischen Israelis. Sie organisieren eine große Parade mit Kerzenlicht und Sufganiyot.

-         In diesen schwierigen Zeiten, in denen der Rassismus aufgrund der Situation zunimmt, ist das Programm "Meeting Neighbors", wörtlich sich mit den Nachbarn treffen, von besonderer Bedeutung. Es ermöglicht Begegnungen zwischen Familien aus benachbarten arabischen und jüdischen Gemeinden.

Hier können die Teilnehmer ihre Herausforderungen, Hoffnungen und Zweifel miteinander teilen und hoffentlich den Kreislauf von Gewalt und Angst brechen.

 

Dies sind leuchtende Beispiele für den Geist von Chanukka, von "Mevie Or", wörtlich "das Licht bringen" für die ganze traumatisierte Gesellschaft, und sie beweisen die Resilienz dieses traumatisierten Landes.

 

Resilienz – das unterstreicht auch unser Tora-Abschnitt dieser Woche, WaJeschew, den ich im Zusammenhang der Situation neu gelesen und interpretiert habe.

Die Hauptrolle spielt Joseef, nach Awraham, Yitschak und Ja´akov unser vierter Erzvater, unser viertes Rolemodel. Er wird zweimal in eine dunkle Grube geworfen. Zuerst wurde er von seinen Brüdern verkauft, und später wurde er im Gefängnis in die "Grube des Verbotenen" geworfen.

Trotz der Widrigkeiten, mit denen er konfrontiert wurde, ist Josef, dank seines Einfallsreichtums und dank seiner Fähigkeit im Angesicht der Dunkelheit, in der Lage, die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Damit ist er zu einem Licht geworden. Seine Widerstandsfähigkeit, seine Resilienz und seine unerschütterliche Hoffnung, Lösungen zu finden, zum Beispiel eine katastrophale Hungersnot zu verhindern, ist für mich, für uns heute ein bleibender Leuchtturm.

 

Josef erinnert mich daran und ermutigt uns, dass wir Juden, dass die Israelis selbst in den schwierigsten Situationen das Potenzial nicht nur für Ausdauer, sondern auch für Hoffnung auf eine bessere Zukunft und Lösungen besitzen.

 

Wenn wir im dunkelsten Monat des Jahres acht Tage lang die Kerzen anzünden, jeden Tag eine mehr, können wir in diesen dunklen Zeiten das kleine Licht wachsen lassen und die große Dunkelheit hoffentlich ein wenig vertreiben.


WeChen jehi ratzon, so möge es geschehen.

 

Hier geht es zur Drascha Chanukka auf Russisch

15. Word_Chanuka_Shabat_08.12.23_Hamburg_RU
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